„Innovationen sind unerlässlich“ 

Fragen: Holger Thissen. Erschienen am 22.11.2007 in PRO:FIT, Südkurier Medienhaus

Wie wichtig sind Innovationen für Mittelständler?
Mechthild Wolber: Innovationen sind unabhängig von der Unternehmensgröße für die allermeisten Unternehmen unerlässlich. Für nahezu jede Branche gibt es Untersuchungen, wie hoch der Anteil derjenigen Produkte am Umsatz ist, die jünger sind als 3 Jahre. Im Maschinenbau liegen diese Zahlen meist um die 25%, Tendenz steigend. Dies betrifft dann immer auch die Zulieferprodukte. Nur äußerst wenige Produkte können sich wie ein Fels in der Brandung in einem sich ändernden Markt behaupten.

Kümmern sich mittelständische Unternehmen genug um Innovationen?
Mechthild Wolber: In meiner täglichen Arbeit begegnen mir nicht selten Mittelständler, die mit Erfolg und Begeisterung Innovationen vorantreiben. Gerade in der hiesigen Zulieferindustrie mit all ihren Besonderheiten sehen sich Unternehmen jedoch häufig eher als Getriebene der Marktanforderungen denn als aktive Treiber von Innovationen.

Wo scheitern gute Ideen auf dem Weg in die praktische Umsetzung am häufigsten?
Mechthild Wolber: Innovationen sind Produktentwicklungen, die sich am Markt durchsetzen. Bevor aus Ideen Innovationen werden, sind zahlreiche Hürden zu bewältigen: Allein schon die Bewertung von Produktideen ist eine unglaublich schwierige Angelegenheit. Hier wird manche gute Idee vorschnell abgeschmettert, andere nicht kritisch genug geprüft. Dann die eigentliche Produktentwicklung: gerade bei wirklich innovativen Produkten kann es zu Projektverzögerungen kommen, beispielsweise weil sich mitten im laufenden Projekt die Ziele ändern. Zum Teil führt das zum Projektabbruch, weil die Kosten nicht mehr überschaubar sind. Letzte und zugleich schwierigste Hürde ist die Markteinführung. Hier kommt es nicht selten vor, dass Unternehmen der Ansicht sind, den Zielmarkt zu kennen, was sich dann aber als falsch herausstellt. Das wird dann häufig erst sehr spät im Projektverlauf klar.

Haben Mittelständler auch Stärken bei Innovationen?
Mechthild Wolber: Mitunter ist es sicher einfacher, den Inhaber eines familiengeführten Mittelständlers von einer Vision zu überzeugen als den Vorstand eines Großunternehmens. Börsennotierte Unternehmen neigen dazu, schnellen Return on Invest von ihren Innovationsprojekten zu fordern. Aussichtsreiche, aber wenig prestigeträchtige Projekte werden dann auch mal zu früh abgebrochen. Ist eine tragfähige Vision vorhanden, lohnen sich Mut und Geduld beim „Wachsen lassen“ von Innovationen. Gerade hier ist aber eine ständige Beobachtung von Markt und Technologie, Kostenkontrolle und Abgleich mit den erreichten Zielen erforderlich.

Brauchen kleinere Firmen Hilfe bei der Umsetzung von Innovationen?
Mechthild Wolber: Auch hier gilt: die Innovationskraft hängt nicht unbedingt von der Unternehmensgröße ab. Es gibt aber zwei typische Fälle, die für Kleinunternehmen existenzbedrohend sind: Zum einen warten Kleinunternehmen, auch wenn Ideen für neue Produkte da sind, erst einmal ab, ob sie auch anderweitig ihre Auftragsbücher füllen können. Wenn die Aufträge dann bereits wegbleiben, kommt eine Verjüngung des Produktspektrums oder der Produktionsmethoden zu spät. Der zweite Fall ist, dass ein konkretes Innovationsprojekt erst in einer späten Projektphase scheitert. Der so entstandene finanzielle Verlust kann in Kleinunternehmen natürlich schlechter kompensiert werden als in der Großindustrie.

Wer hilft dabei?
Mechthild Wolber: Jedes Unternehmen sollte zunächst ermitteln, wie es bezüglich Innovationskraft aufgestellt ist. Nicht immer wird ein Berater benötigt: im Internet gibt es speziell für Mittelständler eine Vielzahl kostenloser Innovations-Checkups. Der Einsatz eines Innovationscoachs lohnt sich dann, wenn hier Defizite identifiziert werden, die das Unternehmen nach eigener Einschätzung nicht selbst beheben kann. Sind etwa in einem Unternehmen keine Ideen für neue Produkte oder Absatzchancen da oder es werden trotz vieler vorhandener Ideen keine Produkte entwickelt, und das seit geraumer Zeit, ist schnelles Handeln geboten. Auch wenn konkrete Innovationsvorhaben zwar gestartet werden, im Tagesgeschäft aber immer untergehen, ist externe Hilfe erforderlich. Ein Innovationscoach hilft auch bei der Suche nach geeigneten Fördertöpfen.

Sie veranstalten gemeinsam mit dem Wirtschaftsförderer der Stadt die 1. Rottweiler Innovationsgespräche. Was ist das Ziel der Veranstaltung?
Mechthild Wolber: Ziel der Veranstaltung ist es einerseits, Unternehmern inhaltliche Impulse zum Thema Innovation zu geben. Zum anderen werden konkrete und vor allem aktuelle Fördermöglichkeiten vorgestellt. Das Landes-Wirtschaftsministerium stellt auf der Veranstaltung erstmals überhaupt sein Innovationsgutschein-Programm für Kleinunternehmen vor. Viele Unternehmer wissen überhaupt nicht, dass es neben den von den Hausbanken angebotenen Fördermöglichkeiten durch KfW und L-Bank zahlreiche andere Fördermittel gibt, um sich sie sich direkt bewerben können. Auch Hilfestellungen bei der Realisierung, etwa Kompetenznetzwerke, werden präsentiert.